Ewige Tabelle sächsicher Vereine bei den Spielen um die Deutsche Meisterschaft des DFB 1903-1919
In Sachsen wie im ganzen damaligen Deutschen Reich auch
fand das aus England kommende moderne Fußballspiel etwa Anfang der
1870er Jahre bei der sächsischen Jugend, vor allem den Schülern
höherer Lehranstalten, immer stärkere Beachtung. Das Fußballspiel
war Teil einer Sportbewegung, die dem in Deutschland verbreiteten Turnen
entgegenlief. Hier wurde um den Sieg gekämpft, zuweilen hart zu Werke
gegangen und der Sporttreibende als Gegner angesehen. Zudem wurde ein Ball
mit dem Fuß gestoßen, an sich Zeichen der Verachtung, und diesem
wild hinterher gejagt. Wie anders dagegen die Turner: In hellen Anzügen,
militärisch anmutenden Formationen und mit eingeübten Körperbewegungen
standen nicht Kraft und Ausdauer, sondern Körperbeherrschung im Vordergrund.
Über viele Jahre hinweg sollten Fußballer und Turner basierend
auf ihrer unterschiedlichen Auffassung von Körperertüchtigung
einen Streit austragen, der dem Fußball hierzulande schadete. Oft
traten ganze Spielriegen aus den Turnvereinen aus und gründeten eigene
meist Fußballvereine, da der Turnverein eine Mitgliedschaft im DFB
und somit eine Teilnahme an dessen Meisterschaftsspielen ablehnte. Auf
diese Art entstanden u.a. Bayern München oder der VfB Leipzig.
Zunächst jagten Jugendliche, wie vorher erwähnt
vornehmlich Schüler höherer Lehranstalten, im ganzen Reichsgebiet
dem Ball auf öffentlichen Plätzen hinterher. Wenn es überhaupt
einen Ball gab, denn dieser mußte aus England importiert werden und
war entsprechend teuer. Vereinzelt setzten Turnlehrer das neue Spiel auf
ihren Stundenplan, was eher die Ausnahme blieb und von Kollegen wie Aufsichtsbehörde
mißtrauisch beäugt wurde. Zu erwähnen ist hier das Engagement
eines Herrn Wortmann von der Petrischule in Leipzig, der schon 1883 seine
Schüler gegen den Ball treten ließ. Bald setzte sich dieser
Trend in den Turnvereinen fort. Am 3.Juni 1888 gründeten Mitglieder
des Allgemeinen Turnverein Leipzig von 1845 eine Spielerriege, die sich
vor allem dem Fußball widmete. Der Vorturner G. Schöck sowie
der spätere Turnwart Max Vogel haben sich mit dieser sächsischen
Pioniertat für immer unsterblich gemacht. Acht Jahre später entstand
aus dieser Riege mit dem VfB Leipzig der Verein, der bis zum 1.Weltkrieg
der erfolgreichste des deutschen Fußballs werden sollte.
Wie die vorangegangenen Ausführungen vermuten lassen,
war zunächst Leipzig das Zentrum des sächsischen Fußballs,
neben Berlin und Baden das des deutschen Fußballs überhaupt.
Im August 1897 gründeten fünf Leipziger Vereine den Verband Leipziger
Ballspiel-Vereine (VLBV), der fortan eine eigene Meisterschaft austrug,
die erste Sachsens. Nach und nach entstanden im ganzen Königreich,
ausgehend von den großen Städten, immer mehr Mannschaften und
Vereine. Der VLBV stand im Januar 1900 Pate, als, ebenfalls in Leipzig,
der Deutsche Fußball-Bund (DFB) aus der Taufe gehoben wurde. Fortan
sollten die Meister der einzelnen Mitgliedsverbände des DFB den Deutschen
Meister ermitteln. Doch dazu kam es aus organisatorischen und finanziellen
Gründen erst in der Saison 1902/03. Bis dahin trug nur der VLBV in
Sachsen eine Meisterschaft aus, die jedoch lediglich Nordwestsachsen abdeckte.
So gründeten im Dezember 1900 in Leipzig zwölf mitteldeutsche
Vereine der Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine (VMBV), der fußball-organisatorisch
die heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
abdeckte und an Stelle des VLBV die DFB-Mitgliedschaft übernahm.
Wegen der stetig wachsenden Popularität des Fußballs
entstanden in den folgenden Jahren immer neue Vereine, viele überstanden
nicht ihre ersten Jahre, andere schlossen sich zusammen, fusionierten also,
wieder andere existieren noch heute. Neue Gaue wurden geschaffen, Punktspielgegner
gab es in unmittelbarer Nachbarschaft nun zuhauf und dadurch konnten die
Reisewege für die Mannschaften verkürzt werden. Bald wurden zweite
und dritte Spielklassen eingerichtet, um jedem Team die Teilnahme am organisierten
Spielbetrieb zu ermöglichen. In der ersten Saison-Hälfte jedes
Spieljahres ging es für jeden Verein, der in seinem Verbandsgebiet,
dem Gau, in der ersten Klasse spielte, zunächst um die Gaumeisterschaft.
In der zweiten Saisonhälfte spielten die Sieger bei der mitteldeutschen
Meisterschaft um die Verbandsmeisterschaft. Der Verbandsmeister wiederum
vertrat den VMBV bei der Deutschen Meisterschaft des DFB. Zudem war der
DFB-Titelverteidiger automatisch für die Endrunde im Folgejahr qualifiziert.
Deshalb gab es in den Jahren 1905 (wegen der abgebrochenen Endrunde 1904
war der VfB Leipzig auch 1905 noch Titelverteidiger) und 1914 einen zusätzlichen
Startplatz für den VMBV, nicht jedoch 1907, als der Titelverteidiger
VfB Leipzig gleichzeitig Mitteldeutscher Meister wurde. Darüber hinaus
stand zwischen 1903 und 1905 auch dem Meister des Verbandes Magdeburger
Ballspiel-Vereine ein extra Endrundenplatz zu, denn dieser Verband war
in diesen Jahren direktes Mitglied des DFB, wenngleich sein Meister auch
um die Mitteldeutsche Meisterschaft mitspielte. 1905 ging dieser Magdeburger
Verband in den Gau Mittelelbe des VMBV über.
Die Spielstärke der einzelnen Fußballkreise
wies große Unterschiede auf, Teams aus Nordwestsachsen dominierten
die erste Entwicklungsphase des sächsischen Fußballs.
Mitteldeutsche und Deutsche Meister
Nachfolgend ein Überblick über die Anzahl der
Gaue im Gebiet des VMBV sowie über die Anzahl der davon im Königreich
Sachsen gelegenen. In der vierten Spalte sind die Mitteldeutschen Verbandsmeister
aufgeführt, nachfolgend die Anzahl der Starter bei den Endrunden um
die Deutsche Meisterschaft des DFB sowie danach die Anzahl der Startplätze,
die auf den VMBV entfielen, bzw. davon auf sächsische Teams. In der
letzten Spalte finden sich schließlich die Deutschen Meister des
DFB.
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des VMBV |
Anzahl der Starter bei der DFB-Endrunde insgesamt | Anzahl der Starter davon für den VMBV |
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des DFB |
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Ewige Tabelle sächsicher Vereine bei den Spielen um die Deutsche Meisterschaft des DFB 1903-1919
Insgesamt spielten demnach vier verschiedene sächsische Vereine um den Titel eines Deutschen Meisters des DFB. Dabei schnitten sie wie nachfolgend aufgeführt im einzelnen ab.
1. VfB Leipzig
9 Teilnahmen 20 15 0 5
61: 30 30: 10
2. Dresdner SC
1 Teilnahme 2 1 0
1 7: 8 2: 2
3. Wacker Leipzig
1 Teilnahme 2 1 0
1 3: 5 2: 2
4. SpVgg. Leipzig
2 Teilnahmen 3 1 0
2 5: 7 2: 2
Meister der Gaue des VMBV mit sächsischer Beteiligung
Bei der ersten Auflage der Mitteldeutschen Meisterschaft
spielten zunächst nur zwei Teams gegeneinander. 1912 überstieg
die Anzahl der Fußball-Gaue in Mitteldeutschland bereits die für
das Achtelfinale (gespielt wurde im K.-o.-System) notwendige Zahl von 16,
so daß der VMBV beschloß, nurmehr die Meister der sieben spielstärksten
Gaue für die Verbandsmeisterschaft zuzulassen, sowie zusätzlich
auch den Titelverteidiger. Der Sieger aus einer parallel dazu ausgetragenen
Runde der schwächeren Gaumeister durfte den Mitteldeutschen Meister
zum Saisonende herausfordern. Aber schon im Folgejahr wurde diese Regelung
wieder verworfen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 ruhte der Spielbetrieb
wie im ganzen Deutschen Reich so auch in Sachsen. Euphorisch eilte die
Jugend zu den Waffen, um bald ernüchtert, meist verkrüppelt oder
nie wieder zurückzukehren. Viele Mannschaften bekamen nicht mehr genügend
Spieler für ein Spiel zusammen. Nur vereinzelt richteten Gaue eine
Meisterschaft aus. Ab 1915 hatte man sich auf die veränderte Situation
eingestellt. Wieder richtete der VMBV Verbandsmeisterschaften aus.
Die Meister der sächsischen Fußball-Gaue aus
dieser Epoche sind nachfolgend aufgeführt. Die einzelnen Gaumeister
dieser Zeit sind nicht vollständig bekannt.
| Leipzig bzw. Nordwestsachsen | Westsachsen | Vogtland | Göltzschtal | Erzgebirge | Elbe-Elster | Südwestsachsen | Mittelsachsen | Dresden bzw. Ostsachsen | Oberlausitz | |
| 1897/98 | Leipziger BC | |||||||||
| 1898/99 | Leipziger BC | |||||||||
| 1899/1900 | Leipziger BC | |||||||||
| 1900/01 | Wacker Leipzig | |||||||||
| 1901/02 | Wacker Leipzig | Dresdner SC | ||||||||
| 1902/03 | VfB Leipzig | Dresdner SC | ||||||||
| 1903/04 | VfB Leipzig | Dresdner SC | ||||||||
| 1904/05 | Hallescher FC 1896 | Dresdner SC | ||||||||
| 1905/06 | VfB Leipzig | Chemnitzer BC | Dresdner SC | |||||||
| 1906/07 | VfB Leipzig | Mittweidaer BC | Dresdner SC | |||||||
| 1907/08 | Wacker Leipzig | Wettin Plauen | Chemnitzer BC | Dresdner SC | ||||||
| 1908/09 | VfB Leipzig | Appelles Plauen | Chemnitzer BC | Dresdner SC | ||||||
| 1909/10 | VfB Leipzig | Appelles Plauen | Germania Mittweida | Sportlust Dresden | ||||||
| 1910/11 | VfB Leipzig | Appelles Plauen | Chemnitzer BV | Riesaer SV | Dresdner SC | |||||
| 1911/12 | SpVgg. Leipzig | Konkordia Plauen | Chemnitzer BC | Döbelner SC | Dresdner SC | Budissa Bautzen | ||||
| 1912/13 | VfB Leipzig | ? | Sturm Chemnitz | ? | Dresdner Fußballring | ? | ||||
| 1913/14 | SpVgg. Leipzig | Zwickauer SC | Konkordia Plauen | Falkensteiner BC | Concordia Schneeberg | Torgauer Sportfreunde | Chemnitzer BC | Riesaer SV | Dresdner Fußballring | Budissa Bautzen |
| 1914/15 | ? | ? | ? | ? | ? | ? | ? | ? | ? | ? |
| 1915/16 | Eintracht Leipzig | VfB Glauchau | Mittweidaer FC | Dresdner SC | ||||||
| 1916/17 | Eintracht Leipzig | FC Schedewitz | Chemnitzer BC | Dresdner Fußballring | Budissa Bautzen | |||||
| 1917/18 | VfB Leipzig | Zwickauer SG | Teutonia Chemnitz | Sachsen Dresden | Budissa Bautzen | |||||
| 1918/19 | SpVgg. Leipzig | Zwickauer SC | VfB Chemnitz | Dresdner Fußballring |