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Fußball in Sachsen  1897 - 1919

zur Epoche 1919 - 1933


Einführung   Mitteldeutsche und Deutsche Meister

Ewige Tabelle sächsicher Vereine bei den Spielen um die Deutsche Meisterschaft des DFB 1903-1919

Meister der Gaue des VMBV mit sächsischer Beteiligung



Einführung

In Sachsen wie im ganzen damaligen Deutschen Reich auch fand das aus England kommende moderne Fußballspiel etwa Anfang der 1870er Jahre bei der sächsischen Jugend, vor allem den Schülern höherer Lehranstalten, immer stärkere Beachtung. Das Fußballspiel war Teil einer Sportbewegung, die dem in Deutschland verbreiteten Turnen entgegenlief. Hier wurde um den Sieg gekämpft, zuweilen hart zu Werke gegangen und der Sporttreibende als Gegner angesehen. Zudem wurde ein Ball mit dem Fuß gestoßen, an sich Zeichen der Verachtung, und diesem wild hinterher gejagt. Wie anders dagegen die Turner: In hellen Anzügen, militärisch anmutenden Formationen und mit eingeübten Körperbewegungen standen nicht Kraft und Ausdauer, sondern Körperbeherrschung im Vordergrund. Über viele Jahre hinweg sollten Fußballer und Turner basierend auf ihrer unterschiedlichen Auffassung von Körperertüchtigung einen Streit austragen, der dem Fußball hierzulande schadete. Oft traten ganze Spielriegen aus den Turnvereinen aus und gründeten eigene meist Fußballvereine, da der Turnverein eine Mitgliedschaft im DFB und somit eine Teilnahme an dessen Meisterschaftsspielen ablehnte. Auf diese Art entstanden u.a. Bayern München oder der VfB Leipzig.
Zunächst jagten Jugendliche, wie vorher erwähnt vornehmlich Schüler höherer Lehranstalten, im ganzen Reichsgebiet dem Ball auf öffentlichen Plätzen hinterher. Wenn es überhaupt einen Ball gab, denn dieser mußte aus England importiert werden und war entsprechend teuer. Vereinzelt setzten Turnlehrer das neue Spiel auf ihren Stundenplan, was eher die Ausnahme blieb und von Kollegen wie Aufsichtsbehörde mißtrauisch beäugt wurde. Zu erwähnen ist hier das Engagement eines Herrn Wortmann von der Petrischule in Leipzig, der schon 1883 seine Schüler gegen den Ball treten ließ. Bald setzte sich dieser Trend in den Turnvereinen fort. Am 3.Juni 1888 gründeten Mitglieder des Allgemeinen Turnverein Leipzig von 1845 eine Spielerriege, die sich vor allem dem Fußball widmete. Der Vorturner G. Schöck sowie der spätere Turnwart Max Vogel haben sich mit dieser sächsischen Pioniertat für immer unsterblich gemacht. Acht Jahre später entstand aus dieser Riege mit dem VfB Leipzig der Verein, der bis zum 1.Weltkrieg der erfolgreichste des deutschen Fußballs werden sollte.
Wie die vorangegangenen Ausführungen vermuten lassen, war zunächst Leipzig das Zentrum des sächsischen Fußballs, neben Berlin und Baden das des deutschen Fußballs überhaupt. Im August 1897 gründeten fünf Leipziger Vereine den Verband Leipziger Ballspiel-Vereine (VLBV), der fortan eine eigene Meisterschaft austrug, die erste Sachsens. Nach und nach entstanden im ganzen Königreich, ausgehend von den großen Städten, immer mehr Mannschaften und Vereine. Der VLBV stand im Januar 1900 Pate, als, ebenfalls in Leipzig, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) aus der Taufe gehoben wurde. Fortan sollten die Meister der einzelnen Mitgliedsverbände des DFB den Deutschen Meister ermitteln. Doch dazu kam es aus organisatorischen und finanziellen Gründen erst in der Saison 1902/03. Bis dahin trug nur der VLBV in Sachsen eine Meisterschaft aus, die jedoch lediglich Nordwestsachsen abdeckte. So gründeten im Dezember 1900 in Leipzig zwölf mitteldeutsche Vereine der Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine (VMBV), der fußball-organisatorisch die heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen abdeckte und an Stelle des VLBV die DFB-Mitgliedschaft übernahm.
Wegen der stetig wachsenden Popularität des Fußballs entstanden in den folgenden Jahren immer neue Vereine, viele überstanden nicht ihre ersten Jahre, andere schlossen sich zusammen, fusionierten also, wieder andere existieren noch heute. Neue Gaue wurden geschaffen, Punktspielgegner gab es in unmittelbarer Nachbarschaft nun zuhauf und dadurch konnten die Reisewege für die Mannschaften verkürzt werden. Bald wurden zweite und dritte Spielklassen eingerichtet, um jedem Team die Teilnahme am organisierten Spielbetrieb zu ermöglichen. In der ersten Saison-Hälfte jedes Spieljahres ging es für jeden Verein, der in seinem Verbandsgebiet, dem Gau, in der ersten Klasse spielte, zunächst um die Gaumeisterschaft. In der zweiten Saisonhälfte spielten die Sieger bei der mitteldeutschen Meisterschaft um die Verbandsmeisterschaft. Der Verbandsmeister wiederum vertrat den VMBV bei der Deutschen Meisterschaft des DFB. Zudem war der DFB-Titelverteidiger automatisch für die Endrunde im Folgejahr qualifiziert. Deshalb gab es in den Jahren 1905 (wegen der abgebrochenen Endrunde 1904 war der VfB Leipzig auch 1905 noch Titelverteidiger) und 1914 einen zusätzlichen Startplatz für den VMBV, nicht jedoch 1907, als der Titelverteidiger VfB Leipzig gleichzeitig Mitteldeutscher Meister wurde. Darüber hinaus stand zwischen 1903 und 1905 auch dem Meister des Verbandes Magdeburger Ballspiel-Vereine ein extra Endrundenplatz zu, denn dieser Verband war in diesen Jahren direktes Mitglied des DFB, wenngleich sein Meister auch um die Mitteldeutsche Meisterschaft mitspielte. 1905 ging dieser Magdeburger Verband in den Gau Mittelelbe des VMBV über.
Die Spielstärke der einzelnen Fußballkreise wies große Unterschiede auf, Teams aus Nordwestsachsen dominierten die erste Entwicklungsphase des sächsischen Fußballs.
 

Mitteldeutsche und Deutsche Meister

Nachfolgend ein Überblick über die Anzahl der Gaue im Gebiet des VMBV sowie über die Anzahl der davon im Königreich Sachsen gelegenen. In der vierten Spalte sind die Mitteldeutschen Verbandsmeister aufgeführt, nachfolgend die Anzahl der Starter bei den Endrunden um die Deutsche Meisterschaft des DFB sowie danach die Anzahl der Startplätze, die auf den VMBV entfielen, bzw. davon auf sächsische Teams. In der letzten Spalte finden sich schließlich die Deutschen Meister des DFB.
 

Saison
Anzahl der Fußball-Gaue des VMBV insgesamt
Anzahl der davon im Königreich Sachsen gelegenen Gaue
Mitteldeutscher Meister
des VMBV
Anzahl der Starter bei der DFB-Endrunde insgesamt Anzahl der Starter davon für den VMBV
Anzahl der Starter davon aus Sachsen
Deutscher Meister
des DFB
 
 
 
 
 
 
 
 
1901/02
2
2
Wacker Leipzig
-
-
-
Meisterschaft nicht ausgetragen
1902/03
3
2
VfB Leipzig
6
2
1
VfB Leipzig
1903/04
3
2
VfB Leipzig
8
2
1
Meisterschaft abgebrochen
1904/05
3
2
Dresdner SC
11
3
2
 Union 1892 Berlin
1905/06
4
3
VfB Leipzig
8
1
1
 VfB Leipzig
1906/07
4
3
VfB Leipzig
6
1
1
 Freiburger FC
1907/08
7
4
Wacker Leipzig
8
1
1
 Viktoria 1889 Berlin
1908/09
7
4
SC Erfurt
8
1
0
 Phönix Karlsruhe
1909/10
9
4
VfB Leipzig
9
1
1
 Karlsruher FV
1910/11
12
5
VfB Leipzig
8
1
1
 Viktoria 1889 Berlin
1911/12
15
6
SpVgg. Leipzig
8
1
1
 Holstein Kiel
1912/13
?
?
VfB Leipzig
7
1
1
 VfB Leipzig
1913/14
20
10
SpVgg. Leipzig
8
2
2
 SpVgg. Fürth
1914/15
?
?
Meisterschaft nicht ausgetragen
-
-
-
Meisterschaft nicht ausgetragen
1915/16
11
4
Eintracht Leipzig
-
-
-
Meisterschaft nicht ausgetragen
1916/17
16
5
Hallescher FC 1896
-
-
-
Meisterschaft nicht ausgetragen
1917/18
15
5
VfB Leipzig
-
-
-
Meisterschaft nicht ausgetragen
1918/19
12
4
Hallescher FC 1896
-
-
-
Meisterschaft nicht ausgetragen

Ewige Tabelle sächsicher Vereine bei den Spielen um die Deutsche Meisterschaft des DFB 1903-1919

Insgesamt spielten demnach vier verschiedene sächsische Vereine um den Titel eines Deutschen Meisters des DFB. Dabei schnitten sie wie nachfolgend aufgeführt im einzelnen ab.

 1. VfB Leipzig             9 Teilnahmen     20  15  0  5   61: 30   30: 10
 2. Dresdner SC             1 Teilnahme       2   1  0  1    7:  8    2:  2
 3. Wacker Leipzig          1 Teilnahme       2   1  0  1    3:  5    2:  2
 4. SpVgg. Leipzig          2 Teilnahmen      3   1  0  2    5:  7    2:  2

Meister der Gaue des VMBV mit sächsischer Beteiligung

Bei der ersten Auflage der Mitteldeutschen Meisterschaft spielten zunächst nur zwei Teams gegeneinander. 1912 überstieg die Anzahl der Fußball-Gaue in Mitteldeutschland bereits die für das Achtelfinale (gespielt wurde im K.-o.-System) notwendige Zahl von 16, so daß der VMBV beschloß, nurmehr die Meister der sieben spielstärksten Gaue für die Verbandsmeisterschaft zuzulassen, sowie zusätzlich auch den Titelverteidiger. Der Sieger aus einer parallel dazu ausgetragenen Runde der schwächeren Gaumeister durfte den Mitteldeutschen Meister zum Saisonende herausfordern. Aber schon im Folgejahr wurde diese Regelung wieder verworfen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 ruhte der Spielbetrieb wie im ganzen Deutschen Reich so auch in Sachsen. Euphorisch eilte die Jugend zu den Waffen, um bald ernüchtert, meist verkrüppelt oder nie wieder zurückzukehren. Viele Mannschaften bekamen nicht mehr genügend Spieler für ein Spiel zusammen. Nur vereinzelt richteten Gaue eine Meisterschaft aus. Ab 1915 hatte man sich auf die veränderte Situation eingestellt. Wieder richtete der VMBV Verbandsmeisterschaften aus.
Die Meister der sächsischen Fußball-Gaue aus dieser Epoche sind nachfolgend aufgeführt. Die einzelnen Gaumeister dieser Zeit sind nicht vollständig bekannt.
 
  Leipzig bzw. Nordwestsachsen Westsachsen Vogtland Göltzschtal Erzgebirge Elbe-Elster Südwestsachsen Mittelsachsen Dresden bzw. Ostsachsen Oberlausitz
1897/98 Leipziger BC                  
1898/99 Leipziger BC                  
1899/1900 Leipziger BC                  
1900/01 Wacker Leipzig                  
1901/02 Wacker Leipzig               Dresdner SC  
1902/03 VfB Leipzig               Dresdner SC  
1903/04 VfB Leipzig               Dresdner SC  
1904/05 Hallescher FC 1896               Dresdner SC  
1905/06 VfB Leipzig           Chemnitzer BC   Dresdner SC  
1906/07 VfB Leipzig           Mittweidaer BC   Dresdner SC  
1907/08 Wacker Leipzig   Wettin Plauen       Chemnitzer BC   Dresdner SC  
1908/09 VfB Leipzig   Appelles Plauen       Chemnitzer BC   Dresdner SC  
1909/10 VfB Leipzig   Appelles Plauen       Germania Mittweida   Sportlust Dresden  
1910/11 VfB Leipzig   Appelles Plauen       Chemnitzer BV Riesaer SV Dresdner SC  
1911/12 SpVgg. Leipzig   Konkordia Plauen       Chemnitzer BC Döbelner SC Dresdner SC Budissa Bautzen
1912/13 VfB Leipzig   ?       Sturm Chemnitz ? Dresdner Fußballring ?
1913/14 SpVgg. Leipzig Zwickauer SC Konkordia Plauen Falkensteiner BC Concordia Schneeberg Torgauer Sportfreunde Chemnitzer BC Riesaer SV Dresdner Fußballring Budissa Bautzen
1914/15 ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?
1915/16 Eintracht Leipzig VfB Glauchau         Mittweidaer FC   Dresdner SC  
1916/17 Eintracht Leipzig   FC Schedewitz       Chemnitzer BC   Dresdner Fußballring Budissa Bautzen
1917/18 VfB Leipzig Zwickauer SG         Teutonia Chemnitz   Sachsen Dresden Budissa Bautzen
1918/19 SpVgg. Leipzig Zwickauer SC         VfB Chemnitz   Dresdner Fußballring  


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