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Fußball in Sachsen  1919 - 1933

zur Epoche 1897 - 1919     zur Epoche 1933 - 1945


Einführung   Mitteldeutsche und Deutsche Meister

Ewige Tabelle sächsicher Vereine bei den Spielen um die Deutsche Meisterschaft des DFB 1919-1933

Meister der Gaue des VMBV mit sächsischer Beteiligung


Einführung

Nach dem ernüchternden Kriegsende und den Wirren der November-Revolution 1918 erlebte der Fußball einen neuen Aufschwung und tiefgreifenden Wandel: Er wurde zum Zuschauer-Sport. Überschritten die Zuschauerzahlen bisher selbst bei Finalspielen um die DFB-Meisterschaft kaum einmal die 10000-er Marke, vervielfachten sich die Besucherzahlen in der Zeit der Weimarer Republik. Zum ersten Nachkriegs-Endspiel zwischen Titelverteidiger SpVgg. Fürth und dem 1.FC Nürnberg (0:2) fanden 35000 Interessierte den Weg zum Germania-Sportplatz in Frankfurt/M. Der alte Endspielrekord lag bei 12000 Besuchern zum Finale 1911 zwischen Viktoria 1889 Berlin und dem VfB Leipzig (3:1). Ähnlich entwickelte sich der Zuschauerschnitt der Endrundenspiele: Von 6814 Zuschauern durchschnittlich pro Spiel 1914 auf 11143 pro Spiel 1920. Als Gründe für diesen Wandel kann zum einen die Suche nach Zerstreuung und Ablenkung in schwierigen Zeiten angesehen werden, zum anderen aber auch die Tatsache, daß das Fußballspiel mittlerweile als Körperertüchtigung in den Schulen anerkannt war und sogar bei der Reichswehr betrieben wurde.
Im gleichen Moment, wie sich dieser Wandel vollzog, verschob sich auch das fußballerische Kräfteverhältnis im Deutschen Reich. Die Fußballzentren Leipzig und Baden verloren gleichsam über Nacht, bzw. über die Dauer des Krieges hinweg, ihre führende Rolle an das neue Zentrum des deutschen Fußballs, Mittelfranken mit den Nachbarstädten Nürnberg und Fürth, dem zunächst nur der Hamburger SV Paroli bieten konnte. Nur Berlin, als frühester Ort einer Verbandgründung und eines geregelten Spielbetriebes (ab 1891) im Deutschen Reich, hielt sich als fußballerisches Ballungszentrum auch in dieser neuen Epoche.
Innerhalb des mitteldeutschen Fußballes war der sächsische allerdings nach wie vor das dominierende Element. Nur innerhalb Sachsens verlor Nordwestsachsen seine Vormachtstellung, Chemnitzer und Dresdner Vereine wurden immer stärker. Aus zuletzt 12 Gauen machte der Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine (VMBV) sieben Fußballkreise, von denen vier in Sachsen lagen. Die Meister dieser Kreise ermittelten in einer einfachen Ligarunde den Mitteldeutschen Meister, 1923 wurde nur im K.-o.-System gespielt. Der Mitteldeutsche Meister nahm teil am Kampf um die Deutsche Meisterschaft des DFB.
Die einzelnen Kreismeister wurden, zumindest in Sachsen, in Ligen mit einer Stärke zwischen 3 und 14 Mannschaften ermittelt. Darunter gab es als zweite Spielklasse die 1.Kreisklasse mit zunächst insgesamt 10 Ligen, die ab der Saison 1920/21 auf 11 erweitert wurden. Darunter bildete wiederum mit weiteren Verzweigungen die 2.Kreisklasse die dritte Spielklasse. Die vorgenannten Zahlen können nur als Momentaufnahme  gelten, denn ständig wurden solche Aufteilungen und Ligastärken geändert und den sich ebenfalls im Fluß befindenden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepaßt. So kam es im Jahre 1923 zu ersten Umstrukturierungen. Die Kreisligen wurden abgeschafft und an ihre Stelle traten wieder die alten Gauligen. Gemäß der Aufteilung der bisherigen 1.Kreisklasse waren dies in Sachsen elf an der Zahl. Wie schon im letzten Jahr mit Kreisligen wurde der Mitteldeutsche Meister im K.-o.-System ermittelt.
Am 1.November 1924 beschloß der DFB, ab der nächsten Meisterschafts-Endrunde doppelt so viele Starter zuzulassen, wie bisher. Entsprechend seiner Spielstärke erhielt der VMBV einen weiteren Endrundenplatz - und das während der laufenden Saison 1924/25! Nun hätte der VMBV seinen Vizemeister nominieren können, doch das wäre zu einfach gewesen. Am 7.März 1925 beschloß man, die Vizemeister aller Gaue in einem Extra-Wettbewerb ihren Besten ermitteln zu lassen, der dann gegen den Mitteldeutschen Vize-Meister den zweiten Endrundenplatz ausspielen sollte. Für die laufende Saison war die Zeit allerdings zu knapp. Somit durften nur die Vizemeister der acht spielstärksten Gaue an dieser Extra-Runde teilnehmen, vier davon aus Sachsen (Mittel-, Nordwest- und Ostsachsen sowie Vogtland). Am Ende verlor der SC Erfurt gegen den Vizemeister 1.SV Jena das entscheidende Spiel mit 1:2 nach Verlängerung. Auch im nächsten Jahr konnte sich der beste Gau-Vizemeister nicht gegen den Mitteldeutschen Vize-Meister durchsetzen. Fortuna Leipzig schlug Preußen Chemnitz gar mit 8:0. Und somit ließen die Verantwortlichen von dieser Trostrunde ab. In den nächsten Jahren erhielt der Mitteldeutsche Pokalsieger den zweiten Endrundenplatz. Immerhin hatte diese Bestimmung bis 1933 Bestand.
Der Pokalwettbewerb war 1926 durch den VMBV ins Leben gerufen worden, den Pokal selbst hatte die Neue Leipziger Zeitung gestiftet. Teilnahmeberechtigt waren alle Vereine, ungeachtet ihrer Spielklassenzugehörigkeit. Im ersten Jahr meldeten sich 433 Mannschaften, die zunächst in 39 Gruppen ihre Besten ermittelten. Die Popularität wuchs stetig und schließlich meldeten sich 1930 788 Teams für den Wettbewerb an, die in 64 Gruppen aufgeteilt wurden. Für Mitteldeutschlands Spitzenmannschaften, die vornehmlich aus Sachsen kamen, erhöhte sich somit ständig die Anzahl der zu bewältigenden Saisonspiele und nach und nach zog sich so mancher Spitzenverein aus dem Pokal zurück. Dieser wurde jedoch bis 1933 konsequent weitergespielt. Als einziger Verein holte sich dabei der Dresdner SC das Double. Im Jahre 1933 schlug er den Chemnitzer Polizei SV im Pokalendspiel mit 4:2, um drei Wochen später im Kampf um die Mitteldeutsche Meisterschaft ebenfalls gegen die Chemnitzer mit 3:1 zu triumphieren. In diesem Jahr war der Chemnitzer Polizei-SV Mitteldeutschlands zweiter Teilnehmer bei der DFB-Endrunde.
Angesichts der Zergliederung des Verbandsgebietes sparten sich Mitteldeutschlands Mannschaften einiges an Reisekosten, jedoch litt darunter deren Spielstärke, verglichen mit den reichsweiten Entwicklungen. So kam es 1930 zu einer Reduzierung der Fußball-Gaue, der Meisterschaftsmodus blieb davon unberührt. Aufgrund längst fälliger Annäherungen zwischen der Deutschen Turnerschaft (DT) und dem DFB durften nun auch Fußballmannschaften von Turnvereinen am Spielbetrieb des DFB bzw. seiner Mitgliedsverbände teilnehmen. In Mitteldeutschland waren dafür zwei Plätze der Verbandsendrunde reserviert. Zwei Mal kamen beide Vertreter der Turner aus Sachsen, dann wurde diese Regelung hinfällig, denn die DT und der DFB einigetn sich über die Eingliederung der Spielabteilungen der Turnvereine in den Spielbetrieb des DFB. 699 Turnvereine machten davon reichsweit Gebrauch.

Mitteldeutsche und Deutsche Meister

Nachfolgend ein Überblick über die Anzahl der Gaue im Gebiet des VMBV sowie über die Anzahl der davon im Königreich Sachsen gelegenen. In der vierten Spalte sind die Mitteldeutschen Verbandsmeister aufgeführt, danach die Mitteldeutschen Pokalsieger. Nachfolgend die Anzahl der Starter bei den Endrunden um die Deutsche Meisterschaft des DFB sowie danach die Anzahl der Startplätze, die auf den VMBV entfielen, bzw. davon auf sächsische Teams. In der letzten Spalte finden sich schließlich die Deutschen Meister des DFB.
 

Saison
Anzahl der Fußball-Gaue bzw. Kreise des VMBV insgesamt
Anzahl der davon im Freistaat Sachsen gelegenen Gaue
Mitteldeutscher Meister
des VMBV
Mitteldeutscher Pokalsieger
des VMBV
Anzahl der Starter bei der DFB-Endrunde insgesamt
Anzahl der Starter davon für den VMBV
Anzahl der Starter davon aus Sachsen
Deutscher Meister
des DFB
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1919/20
6
3
VfB Leipzig
 -
8
1
1
1.FC Nürnberg
1920/21
7
4
Wacker Halle
 -
7
1
0
1.FC Nürnberg
1921/22
7
4
SpVgg. Leipzig
 -
8
1
1
Hamburger SV (auf Titel verzichtet)
1922/23
7
4
Guts-Muts Dresden
 -
7
1
1
 Hamburger SV
1923/24
27
11
SpVgg. Leipzig
 -
7
1
1
 1.FC Nürnberg
1924/25
27
11
VfB Leipzig
 -
16
2
1
 1.FC Nürnberg
1925/26
27
11
Dresdner SC
 -
16
2
2
 SpVgg. Fürth
1926/27
27
11
VfB Leipzig
Chemnitzer BC
16
2
2
 1.FC Nürnberg
1927/28
28
11
Wacker Halle
Dresdner SC
16
2
1
 Hamburger SV
1928/29
27
11
Dresdner SC
Wacker Leipzig
16
2
2
 SpVgg. Fürth
1929/30
27
11
Dresdner SC
VfB Leipzig
16
2
2
 Hertha BSC Berlin
1930/31
22 + 2
7 + 2
Dresdner SC
SpVgg. Leipzig
16
2
1
 Hertha BSC Berlin
1931/32
22 + 2
7 + 2
Chemnitzer Polizei-SV
SuBC Plauen
16
2
2
 Bayern München
1932/33
22
7
Dresdner SC
Dresdner SC
16
2
2
Fortuna Düsseldorf

Ewige Tabelle sächsicher Vereine bei den Spielen um die Deutsche Meisterschaft des DFB 1919-1933

Insgesamt spielten demnach neun verschiedene sächsische Vereine um den Titel eines Deutschen Meisters des DFB. Dabei schnitten sie wie nachfolgend aufgeführt im einzelnen ab.

 1. Dresdner SC             6 Teilnahmen      9   3  0  6   25: 19    6: 12
 2. Fortuna Leipzig         1 Teilnahme       2   1  0  1    4:  6    2:  2
 3. Chemnitzer Polizei-SV   2 Teilnahmen      3   1  0  2    8: 10    2:  4
 4. VfB Leipzig             4 Teilnahmen      4   1  0  3    7:  9    2:  6
 5. SpVgg. Leipzig          3 Teilnahmen      4   1  0  3    6:  8    2:  6
 6. Plauener SuBC           1 Teilnahme       1   0  0  1    4:  5    0:  2
 7. Guts-Muts Dresden       1 Teilnahme       1   0  0  1    0:  2    0:  2
 8. Wacker Leipzig          1 Teilnahme       1   0  0  1    1:  5    0:  2
 8. Chemnitzer BC           1 Teilnahme       1   0  0  1    1:  5    0:  2

Mit dem Ende der zweiten Epoche des deutschen Fußballs zählte der VfB Leipzig noch immer zu den fünf erfolgreichsten Vereinen im DFB aller Zeiten, hinter dem 1.FC Nürnberg, Hertha BSC Berlin, dem Hamburger SV und der SpVgg. Fürth. Dagegen rangierte der Dresdner SC nur auf Rang 20.

Meister der Gaue des VMBV mit sächsischer Beteiligung

Die Meister der sächsischen Fußball-Gaue aus dieser Epoche sind nachfolgend aufgeführt sowie die Vertreter der DT (Deutsche Turnerschaft).
 
Nordwest-Sachsen bzw. Groß-Leipzig Westsachsen Vogtland Göltzschtal Erzgebirge Obererzgebirge Elbe-Elster Mittelsachsen Nordsachsen Ostsachsen Oberlausitz Turner-Vertreter
1919/20 VfB Leipzig Konkordia Plauen            National Chemnitz   SV 1906 Dresden  
1920/21 SpVgg. Leipzig Konkordia Plauen           Sturm Chemnitz   Dresdner Fußballring  
1921/22 SpVgg. Leipzig Konkordia Plauen           Chemnitzer BC   Dresdner Fußballring  
1922/23 VfB Leipzig Konkordia Plauen           Chemnitzer BC   Dresdner SV Guts-Muts  
1923/24 SpVgg. Leipzig Zwickauer SC Plauener SuBC SpVgg. Falkenstein VfL Schneeberg VfB Annaberg Preußen Biehla Chemnitzer BC Riesaer SV Brandenburg Dresden Zittauer BC
1924/25 VfB Leipzig SVg. 1907 Meerane Plauener SuBC SpVgg. Falkenstein Viktoria Lauter VfB Geyer Preußen Biehla Chemnitzer BC Riesaer SV Dresdner SV Guts-Muts Zittauer BC
1925/26 Fortuna Leipzig VfL Zwickau Konkordia Plauen 1.FC Reichenbach Viktoria Lauter VfB Geyer VfB Hohenleipisch Chemnitzer BC Riesaer SV Dresdner SC VfB Kamenz
1926/27 VfB Leipzig SVg. 1907 Meerane Plauener SuBC SpVgg. Falkenstein Viktoria Lauter VfB Geyer Vorwärts Falkenberg Chemnitzer BC Riesaer SV Dresdner SC Zittauer BC
1927/28 Viktoria Leipzig SVg. 1907 Meerane Plauener SuBC SpVgg. Falkenstein Olympia Grünhain DSC Weipert Preußen Biehla Chemnitzer BC Riesaer SV Dresdner SC Zittauer BC
1928/29 Sportfreunde Leipzig Planitzer SC Plauener SuBC SpVgg. Falkenstein Viktoria Lauter BC Jahnsbach 1913 Preußen Biehla Chemnitzer BC Riesaer SV Dresdner SC Zittauer BC
1929/30 VfB Leipzig SVg. 1907 Meerane 1.VFC Plauen SpVgg. Falkenstein Viktoria Lauter VfB Annaberg VfB Herzberg Sturm Chemnitz Riesaer SV Dresdner SC Zittauer BC
1930/31 Sportfreunde Leipzig Planitzer SC 1.VFC Plauen   Saxonia Bernsbach     Chemnitzer Polizei-SV   Dresdner SC Budissa Bautzen TV Guts-Muts Dresden + TV Theuma
1931/32 Wacker Leipzig Zwickauer SC 1.VFC Plauen   Saxonia Bernsbach     Chemnitzer Polizei-SV   Dresdner SC Budissa Bautzen TV Guts-Muts Dresden + TV Märker-Treuen
1932/33 Wacker Leipzig VfB Glauchau SpVgg. Falkenstein   Sturm Beierfeld      Chemnitzer Polizei-SV   Dresdner SC Sportlust Zittau


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